Renzo Piano in der Royal Academy

Culture

Ob es nun das Londoner Shard ist oder das New Yorker Whitney Museum – die visionären Gebäude von Renzo Piano prägen das jeweilige Stadtbild. In diesem Herbst wird sein unglaubliches Werk in einer faszinierenden neuen Retrospektive in der Royal Academy of Arts in London in Zusammenarbeit mit Rocco Forte Hotels gezeigt. Kate Goodwin, Head of Architecture der Royal Academy und Ausstellungskuratorin, präsentiert ihre Highlights und erklärt, was den Kultcharakter der Gebäude von Renzo Piano ausmacht.

Was erwartet die Besucher bei dieser Ausstellung?

„Sie werden regelrecht eintauchen in das Werk von Renzo Piano und Einblick erhalten in dessen Arbeitsweise und kreativen Prozesse. Seine Entwürfe, großformatigen Handzeichnungen und Arbeitsmodelle wurden bisher kaum ausgestellt. Das Herzstück ist eine virtuelle „Insel“ mit 100 seiner Gebäude. Mein Anliegen ist es, die Menschen zu inspirieren und zu begeistern. Ich hoffe, dass sie die Poesie und Magie der Architektur würdigen.“

Wie sah Ihre Vision von der Ausstellung aus?

„Ich wollte wirklich alle Größen und Arten seiner Gebäude einbeziehen, von klein bis groß. Die Leute mögen mit dem Shard vertraut sein, aber einige andere Werke kennen sie möglicherweise nicht. Es gibt eine erstaunliche Vielfalt und es war wichtig, die ganze Bandbreite seiner Arbeit zu zeigen.“

Wie haben Sie die Projekte ausgewählt, die Sie präsentieren wollten?

„Bei über 100 Gebäuden, die sein Portfolio zählt, war das durchaus schwierig. Sein Schaffen erstreckt sich über fast 50 Jahre. Wir wählten frühe Arbeiten ebenso aus wie noch im Bau befindliche Gebäude. Sie können Museen, Büros, ein Musikzentrum und sogar ein im Bau befindliches Kinderkrankenhaus in Uganda sehen.“

Wie prägen seine Gebäude das jeweilige Stadtbild?

„Mitunter sind sie vollkommen unerwartet und dadurch ein Katalysator für Veränderung und Erneuerung. Zum Beispiel war das Centre Pompidou, als es 1977 in Paris eröffnet wurde, schockierend und umstritten. Doch dann nahmen es die Pariser schnell an. Heute lieben sie es.“

Was bewundern Sie an seiner Arbeit?

„Ich liebe die Komplexität und Vielschichtigkeit seiner Gebäude. Er hat die absolute Kontrolle über den Bauprozess und eine große Liebe zum Detail. Alle Bauteile sind aufeinander abgestimmt und fügen sich wunderschön ineinander. Ich liebe sein Kunstzentrum Centro Botín im spanischen Santander. Die Fassade ist mit scheibenförmigen Keramikfliesen verkleidet, die im Licht funkeln. Mit jeder Minute, die vergeht, scheint sich das Aussehen des Gebäudes zu verändern.“

Welche Stilelemente und Codes liegen den Entwürfen von Renzo zugrunde?

„Seine Arbeit ist von einem Fluss und einer Leichtigkeit geprägt und scheint der Schwerkraft zu trotzen. Diese hartnäckige Naturgewalt lässt sich nur schwer außer Kraft setzen und wenn es gelingt, ein wirklich schweres Gebäude so aussehen zu lassen, als würde es schweben, dann ist das unglaublich. Viele seiner Gebäude scheinen über dem Boden zu schweben oder zu fliegen.“

Glauben Sie, dass Renzos italienische Herkunft seine Gebäude beeinflusst hat?

„Ja, er kommt aus der Küstenstadt Genua und das Meer ist eine wichtige Inspirationsquelle für ihn. Er ist auch immer gesegelt und hat Yachten entworfen. Sowohl sein Archiv als auch seine Stiftung befinden sich in Genua, ebenso wie ein wunderschönes Atelier mit Blick auf das Meer, das er für sich selbst gebaut hat – ein wahrhaft magischer Ort.“

Renzo Piano: The Art of Making Buildings, Royal Academy of Arts, 15. September 2018 – 20. Januar 2019

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