Blicken Sie mit der Kuratorin Ludovica Sebregondi hinter die Kulissen des Palazzo Strozzi

Culture

Vom 28. September 2019 bis zum 12. Januar 2020 können Sie im Palazzo Strozzi die bahnbrechende Ausstellung Natalia Goncharova: Una donna e le avanguardie, tra Gauguin, Matisse e Picasso (Natalija Gontscharowa: Eine Frau der Avantgarde mit Gauguin, Matisse und Picasso) besichtigen, in deren Rahmen die Werke einer der wichtigsten Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts gezeigt werden. Um mehr über die Künstlerin, die Ausstellung und deren kulturellen Kontext zu erfahren, haben wir mit der florentinischen Kunsthistorikerin Ludovica Sebregondi gesprochen, die seit 2007 als Kuratorin im Palazzo Strozzi tätig ist.

Wie kam die Idee zur Ausstellung zustande? 

„Antonella Loiero, die Direktorin des Palazzo Strozzi, und ich wurden 2011 auf die Künstlerin aufmerksam. Die Werke dieser starken Frau erfreuen sich im Ausland großer Beliebtheit, vor allem in Theaterkreisen. Doch in Italien sind sie nach wie vor so gut wie unbekannt. Es war sprichwörtlich Liebe auf den ersten Blick und wir haben 8 Jahre an der Umsetzung der Ausstellung gearbeitet.“

Die letzte Ausstellung von Gontscharowas Werken liegt schon eine Weile zurück ...

„Die letzte große Ausstellung fand 2013 in der Moskauer Tretjakow-Galerie statt und umfasste 800 Werke. Ihre Arbeiten sind unglaublich ausdrucksstark, revolutionär und mitreißend. Wie so oft in der Kunstgeschichte wurde sie als Frau leider nicht wirklich wahrgenommen.“

Kamen im Zuge der Ausstellung unbekannte oder unerwartete Fakten über die Künstlerin ans Licht?

„Ein Teil der Ausstellung dreht sich um Natalijas Aufenthalt in Italien. Zwischen September 1916 und Mai 1917 lernte sie vor allem in Rom zahlreiche Künstler und Intellektuelle kennen. Zu dieser Zeit entstanden einige ihrer intimsten Werke, die bis dato noch nie ausgestellt wurden.

Ein weiterer Abschnitt beschäftigt sich mit dem russischen Futurismus, der dem italienischen Futurismus gegenübersteht.

Was wir außerdem herausgefunden haben: Sophia Lauren kaufte in den 1960er-Jahren eines ihrer Werke, als sie selbst noch relativ unbekannt war.“

Ihre unterschiedlichen Inspirationsquellen und ihr vielschichtiges Werk wurden von ihrem Biographen als „Allesismus“ bezeichnet. Können Sie uns ein wenig über die verschiedenen Werke und Medien der Ausstellung erzählen?

„Meiner Meinung nach ist „Allesismus“ das falsche Wort. Ich würde sie eher als Eklektikerin bezeichnen. Sie arbeitete an Filmen und im Theater, sie malte, zeichnete, schauspielerte und schrieb sogar ein Hörspiel. Die Ausstellung umfasst neben Stichen, Lithographien, Skizzen, Croquis und diversen Zeichnungen auch Filmmaterial von Aufführungen, an denen sie arbeitete. Sie war außerdem eine wahre Modeikone, deren Stil von allen kopiert wurde. Ihre Kleidung ist immer noch modern.“

Gontscharowa gilt außerdem als eine der ersten Feministinnen und Freidenkerinnen. Können Sie uns etwas zu ihren kontroverseren Phasen verraten?

„Natalja war ein Freigeist. Sie schätzte ihre Eigenständigkeit trotz der langen Beziehung mit Michail Larionow [einem bedeutenden russischen Maler und Kostümbildner], mit dem sie von 1900 bis 1955 in wilder Ehe zusammenlebte. Sie heirateten schließlich doch, allerdings nur aus Sorge um ihr gemeinsames künstlerisches Erbe, falls einer der beiden versterben würde. Trotzdem führten sie immer eine offene Beziehung und hatten Verhältnisse mit anderen wichtigen Persönlichkeiten.“

Wie wurden ihre Werke nach dem Umzug von Moskau ins weniger orthodoxe Paris aufgenommen?

„Natalija Gontscharowa und Michail Larionow reisten zwischen 1915 und 1918 durch Europa. Sie ließen sich schließlich in Paris nieder, wo sie bis zu Natalijas Tod im Jahr 1962 lebten. Dort hatte sie sofort Erfolg, da ihr Können als Kostümbildnerin sehr gefragt war. Besonders gut kam ihr gewagter Einsatz von Farben an. In Moskau hingegen wurde 1910 eines ihrer Aktbilder zensiert. Interessanterweise wurde dasselbe Bild erst vor kurzem auch auf Instagram zensiert!“

Bei der Ausstellung werden auch Werke anderer berühmter Künstler gezeigt, wie etwa Matisse und Picasso. Wie kam es zu dieser Auswahl?

„Zu Beginn der Ausstellung werden Werke von Cézanne, Gauguin, Matisse, Picasso und Derain gezeigt. Für diese Künstler haben wir einen eigenen Ausstellungsraum vorbereitet, da deren Gemälde damals in Moskau ausgestellt wurden und einen großen Einfluss auf ihr Schaffen hatten – vor allem die der Schtschukin-Sammlung im Tretjakow-Museum. Später lernte sie in Paris und Rom einige der Künstler, darunter auch Matisse und Picasso, persönlich kennen.“

Was sind ihre Lieblingswerke und warum?

„An dieser Stelle sei erwähnt, dass es sich in Anlehnung an ihren Stil um eine sehr fröhliche, farbenfrohe Ausstellung handelt. Ich persönlich liebe ihr von Larionow angefertigtes Porträt, das zwar ein wenig außergewöhnlich, aber gleichzeitig wunderschön ist. Diese Kollage besteht unter anderem aus einem echten Haarzopf, den sie sich extra für das Kunstwerk abgeschnitten hat. Außerdem gibt es einige besonders interessante Werke, die spanische Frauen darstellen.“

Gäste des Hotel Savoy können im Rahmen des Arrangements außerhalb der Öffnungszeiten an einer privaten Führung durch die Galerie teilnehmen. Können Sie uns mehr dazu verraten?

„Dank dieser Partnerschaft können sich Besucher auf ein exklusives und einzigartiges Erlebnis freuen – schließlich steht ihnen das ganze Museum zur Verfügung.“

Wenn Sie einen Aufenthalt im Hotel Savoy buchen und die Ausstellung „Natalia Goncharova: Una donna e le avanguardie, tra Gauguin, Matisse e Picasso“ besichtigen möchten, senden Sie einfach eine E-Mail an reservations.savoy@roccofortehotels.com oder kontaktieren Sie uns telefonisch unter +39 06 32 888 930.

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