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Kulinarische Erzählungen von Fulvio Pierangelini Vol.2

Food & Drink

Ich liebe den Frühling. Ich schlendere über die lokalen Märkte und spüre dabei immer ein wenig Ehrfurcht angesichts der tausend Schattierungen von Grün, die sich meinen Augen bieten.

Man sieht frisches, feines Essen und kann nachts friedlich schlafen und davon träumen.

Normalerweise schlafe und träume ich auch ganz ruhig.

Nur letzte Nacht, da erschien mir im Traum ein seltsames buntes Osterei.
Ich wachte auf und fühlte, dass ich etwas kochen musste.

Das passiert mir immer wieder. Auf diese Weise werden neue Gerichte geboren. Es beginnt stets mit einer Emotion – einer Dringlichkeit oder Notwendigkeit – und nie aufgrund von Studien, Kritzeleien oder Skizzen.

Am Anfang habe ich noch keine Ahnung, was ich erschaffen werde, auch wenn ich mir sicher bin, dass am Ende ein Gericht herauskommen wird. Meine Kreation wird endgültig und vollständig sein – ich versuche nicht, sie zu verfeinern, denn jeder Zweifel könnte sie verderben. Man muss Mut aus der Unvollkommenheit schöpfen, um diese frisch geborene Kreation zu beschützen. Die undankbare Aufgabe, sie zu perfektionieren, überlasse ich den Bemühungen meiner Nachfolger.

Im Kamin brennt ein kleines Feuer. Ich würde gern ein kleines Lamm über der Glut des Feuers rösten, sanft umhüllt von Rosmarin, Lorbeerblättern, Thymian und Orangenschale – ich liebe die duftende Wärme auf meinem Gesicht.
Auf dem Markt war ich fasziniert von den frischen Erbsen und ihrer unendlichen Süße, den köstlichen, aber leicht bitteren, dicken Fava-Bohnen und dem wildem Spargel, der von schönen, mit dem Land vertrauten Damen auf den Feldern geerntet wird. Ich werde ihn mit Knoblauch und Öl in einer Pfanne braten.

Dann ein Flashback: Genau das hat mir mein Traum letzte Nacht gesagt.

Ich erinnere mich, kleine Schokoladeneier neben einer kleinen, gebackenen Ostertaube (Colomba) gesehen zu haben, die sehr traurig schien, denn sie hasste die Vorstellung, zu einem überflüssigen Opfer, zum ungewollten Ende einer herzhaften Mahlzeit zu werden.

Also beschloss ich, dass ich nach dem Lamm Colomba-Eis aus einer Mischung von Eiern, Zucker, Milch und frischer Sahne zubereiten würde. Ich zerbröselte die Colomba in kleine Stücke, fügte sie zu dem Pudding hinzu und goss die Mischung zum Eindicken in eine Eismaschine.

Ich zerbrach die Schokoladeneier und ließ sie langsam im Wasserbad schmelzen.

Auf dem Teller: Eiscreme, Walderdbeeren, zerbröseltes Baiser und ein warmes Schokoladenband.

Der Frühling ist ein Traum.

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