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Die Fotografin Kiki Kausch über Lagerfeld, den Lockdown und die neue Ausstellung „43 Days“

Culture

Die in Berlin lebende Künstlerin Kiki Kausch eroberte 2005 mit einem Porträt von Karl Lagerfeld die zeitgenössische Kunstszene. Inzwischen zählt sie zu den erfolgreichsten Porträt-Fotografinnen der Welt. Als ihre Ausstellung „Merkel, Power and Models“ in der Villa Kennedy vom Lockdown unterbrochen wurde, fand sie die Inspiration für die Arbeit an einem neuen Projekt. Unser Interview porträtiert die Person, die normalerweise hinter der Kamera zu finden ist.

 

Erzählen Sie uns von Ihrem künstlerischen Hintergrund ...

Mein Weg in die Kunst war nicht vorgezeichnet. Er ist gekennzeichnet durch wunderbare Zufälle und einem Verlangen, meinem Instinkt zu folgen. In meinem ersten Job war ich als Fernsehnachrichten-Redakteurin tätig. Ich habe schnell gelernt, dass in der Gesellschaft alles zusammenhängt und dass Bilder das wichtigste Instrument sind – sie erreichen unser Gehirn einfach schneller als Worte.

Meine erste Arbeit als Künstlerin und Fotografin war ein Triptychon von Karl Lagerfeld in New York bei einem Shooting für Chanel. Diese Aufnahmen waren ein verrückter Zufall. Nachdem meine Arbeit in einer Ausstellung in Berlin zu sehen gewesen war, ohne dass ich zuvor einen Namen gehabt hätte, waren ernsthafte Sammler plötzlich an meinen Fotos interessiert.

Für Künstler gibt es kein allgemein gültiges Erfolgsrezept. Man kann lediglich versuchen, sein Bestes zu geben, ob es ein Erfolg wird, bestimmen andere. Das Kunstgeschäft ist äußerst komplex und ändert sich ständig. Künstler benötigen nicht mehr zwingend Galerien oder Messen, um sichtbar zu sein. Das Internet bietet eine neue Plattform, doch das physische Erlebnis ist unverzichtbar.

 

Und wie würden Sie Ihre Arbeit beschreiben?

Meine Arbeiten zeichnen sich aus durch eine ästhetische Nachfrage – durch Zeitgeist und Zeitlosigkeit – jedes Thema beinhaltet Geschichten, die ich erlebt habe. Ich werde gerne permanent überrascht. Bei meiner Serie „3 Minutes With“ erhielt ich die Gelegenheit, zahlreiche Hollywood-Stars zu porträtieren, ohne irgendwelche Vorgaben oder Vereinbarungen. Das war wirklich einmalig.

 

Wie kam es zu Ihrer Zusammenarbeit mit Rocco Forte Hotels?

Die Fotografie lässt sich wunderbar mit meiner Leidenschaft für das Reisen verbinden. Ich habe Rocco Forte Hotels eine Menge zu verdanken, denn meine erste Einzelausstellung fand vor zehn Jahren im Hotel de Rome in Berlin statt. Es war das erste Mal, dass dort temporär Kunst gezeigt wurde, und die Bilder passten perfekt zum von Olga Polizzi designten Interieur. Meine Sammler stammen aus aller Welt, denn als Hotelier dachte Sir Rocco Forte von Anfang an international.

Ich hatte insgesamt bereits sechs Ausstellungen in Rocco Forte Hotels – die Gruppe verfügt über unglaubliche Mitarbeiter, vom Empfangsportier bis zum Management. Im Vergleich zu einem Museum oder einer Galerie ist eine Ausstellung in einem Hotel mit anderen Herausforderungen verbunden. Es geht darum, die Gäste zu inspirieren, sie dazu zu bringen, miteinander zu sprechen, ihren Tag zu bereichern, ohne den Druck, den man in einer Galerie spüren könnte.

 

Was hat Sie dazu veranlasst, weibliche Macht auf solch einzigartige Weise zu beleuchten wie in „Merkel, Power and Models“?

Das Thema ist aktueller denn je. Ich habe Angela Merkel 2015 zu Beginn der Flüchtlingskrise im Bundeskanzleramt getroffen. Für mich ist mein Foto von ihr eine Hommage an ihren Führungsstil und ihre Haltung. Außerdem dabei sind Cameron Díaz, Toni Garrn und eine wunderschöne arabische Flugzeugpilotin – ich hoffe, dass sie ein Vorbild für junge Frauen ist. Starke Frauen müssen nicht die Muskeln spielen lassen, um ihren Weg zu gehen. Es bereitet mir große Freude, diese Botschaft durch meine Kunst mit intelligenter Leichtigkeit zu transportieren.

 

Wie haben Sie den Lockdown verbracht? Was sind die Pläne für Ihre nächste Ausstellung?

Nach zwei Wochen Lockdown kam mir folgender Gedanke: Wie könnte man aus dieser komplexen, einmaligen Situation etwas machen? Wie werden wir in einem oder in fünf Jahren auf diese Zeit zurückblicken? Ich interessierte mich für die Melancholie, aber auch für die Poesie und den Zauber des Moments, natürlich immer im Bewusstsein darüber, wie viele Menschen in einer verzweifelten Lage waren und noch immer sind.

Für „43 Days“ habe ich 43 BerlinerInnen zu Hause – bzw. wo immer sie sich zu Hause fühlen – fotografiert, darunter Schauspieler, Sportler, der einzige Dreisternekoch der Stadt, Musen, Macher und Manager (mit dabei war auch der Geschäftsführer des Hotel de Rome, Gordon Debus). Normalerweise würde die Organisation für so etwas Monate dauern, doch unter den Umständen hatten alle Zeit. Den Regeln entsprechend fotografierte ich mit meiner Leica von einer Leiter aus – und zwar ganz allein, ohne Assistenten.

Keiner der Porträtierten stand mir persönlich nahe, selbst räumlich gesehen, denn es ging mir um unvoreingenommene Momente. Es waren allesamt Blind Dates. Vor diesem Hintergrund war ich unendlich dankbar für das Vertrauen, das mir entgegengebracht wurde. Ich hatte das Gefühl, dass alle mit dieser Situation äußerst pragmatisch oder auf eine sehr kreative Weise umgegangen sind. Ich habe das wirklich aufgesaugt. Und mir wurde so viel klarer, was Gesundheit, Freiheit, Liebe und Gemeinschaft wirklich bedeuten. Es ist ein Geschenk, wenn man dies mit seiner Arbeit vereinen kann.

 

Ihre Editionen umfassen stets eine limitierte Anzahl an Fotografien ...

Bei künstlerisch hochwertiger Fotografie geht es immer um Limitierung. Bei mir sind es immer Editionen von drei bis zehn Exemplaren und daran muss sich strikt gehalten werden. Das ist der kostbare Aspekt. So wird es immer bleiben, unabhängig von den Verkäufen. Ich bin ein wenig stolz darauf, zu den teuersten Fotografinnen zu gehören und dies auf unorthodoxe Weise erreicht zu haben.

 

Was ist das Besondere an Frankfurt und wie verbringen Sie hier Ihre Zeit?

Frankfurt ist quasi mein Zuhause. Ich bin um die Ecke in Wiesbaden aufgewachsen. Meine Tochter wurde hier geboren. Wir Hessen haben grüne Soße und Apfelwein erfunden, um Goethes Willen. Mehr geht nicht. Frankfurt ist wirklich lässig geworden. Die Fashion Week verlässt Berlin und kommt nach Frankfurt. Wer hätte das gedacht? Ein Hauch Paris, Mailand und New York in der Mainmetropole! Ich freue mich schon wieder auf meinen ersten Flug nach Frankfurt!

 

Um Ihren Aufenthalt in der Villa Kennedy zu buchen und Kauschs Ausstellung „Merkel, Power and Models“ zu sehen, senden Sie eine E-Mail an reservations.villakennedy@roccofortehotels.com oder wählen Sie +49 69 717 12 1430.

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