Familien-Porträts
Teil 1: Design

Olga Polizzi, Designdirektorin

Das Interieur der Rocco Forte Hotels folgt nicht nur einer universellen Designsprache. Was sie jedoch alle gemeinsam haben, ist Stil in Hülle und Fülle. Seit Rocco Forte im Jahre 1998 das Balmoral in Edinburgh erwarb und neu gestaltete, hat das Unternehmen auf innovative Weise konventionelles Hoteldesign hinter sich gelassen. Stattdessen werden mit der Einrichtung in Rocco Forte Hotels zwei Ziele verfolgt: Zum einen in jedem Hotel eine einladende, elegante und stilvolle Atmosphäre zu schaffen, in der der Gast sich direkt zu Hause fühlt, zum anderen durch Dekor und Ambiente jedes Hotel an seinem Standort zu verankern. Wenn Sie ein Rocco Forte Hotel oder Resort betreten, werden Sie niemals das Gefühl haben, dass die Einrichtung wie in einem gewöhnlichen Hotel am Fliessband produziert wurde.

Unter der Leitung der Designdirektorin Olga Polizzi haben die Rocco Forte Hotels mit dieser neuen Vision von Hoteldesign Pionierarbeit geleistet. Wie auch ihr Bruder, Sir Rocco, lernte Polizzi das Hotelwesen bei ihrem Vater, Lord Forte, im Trust House Forte (das später in Forte Hotels umbenannt wurde). Diese Kompetenz konnte sie dann im Laufe von 25 Jahren bei der Entwicklung und Gestaltung der Rocco Forte Hotels noch erweitern und verfeinern. Aber ihr Interesse an Design und ihr Gefühl für einzigartigen Stil begann schon viel früher – in ihrem Elternhaus.

"Sowohl meine Mutter als auch mein Großvater väterlicherseits, Rocco, waren äußerst stilbewusst. Wenn man bedenkt, dass er in einem winzigen Dorf mit 300 Einwohnern in den Hügeln zwischen Rom und Neapel aufgewachsen ist, hatte mein Großvater einen unglaublich guten Geschmack", sagt Polizzi. "Als er nach England kam, kaufte er als erstes Kunst und hochwertige Möbel. Er hatte ein echtes Auge für die schönen Dinge. Viele dieser Fundstücke wurden Familienerbstücke und befinden sich heute im Besitz von uns Enkelkindern. Auch meine Tante war in der Designabteilung im ehemaligen Trust House Forte tätig, und sie und meine Mutter haben regelmässig ihre eigenen Häuser immer wieder umgestaltet. Der Sinn für Ästhetik und Design war stets sehr ausgeprägt in unserer Familie."

Polizzi, Olga
“Sowohl meine Mutter als auch mein Großvater väterlicherseits, Rocco, waren äußerst stilbewusst."

Diese Leidenschaft für Kunst und edle Möbel wird auch in Polizzis charakteristischem Rocco Forte-Innendesign deutlich. Bemerkenswert ist dabei die gelungene Mischung aus sowohl antiken wie auch zeitgenössischen Objekten. "Als ich anfing, war in der Welt des Hoteldesigns alles sehr schlicht und minimalistisch", erinnert sie sich.  "Entgegengerichtet zum Geschmack meines Bruders waren Beige und Grau in Mode. Über die Jahre änderte sich das nach und nach, bis es jetzt genau andersherum ist: Farben und Muster sind jetzt angesagt, sehr zur Freude meines Bruders! Ich habe schon immer auf Auktionen und Antiquitätenmessen eingekauft und das Alte mit dem Neuen und Modernen kombiniert. Für mich ist das etwas ganz Natürliches. Ich finde es recht inspirationslos, wenn in einem Raum alles neu ist, selbst in einem Neubau fügt sich die eine oder andere Antiquität gut ein. Mit der Mode ist es in gewisser Weise dasselbe; eine Mischung aus Alt und Neu schafft einen willkommenen und interessanten Kontrast.“

Ein weiterer Grundsatz von Polizzis Designkonzept war schon immer die Suche nach Kunsthandwerkerinnen und Kunsthandwerkern, die vor Ort arbeiten. Ob handgefertigte Kacheln von Bagheria für die Villa Igiea in Palermo oder Laudomia Puccis farbintensive Textilien im Hotel Savoy in Florenz - regionale Designobjekte "geben den Hotels vor allem das Gefühl, mit dem Ort verwurzelt zu sein, in dem sie sich befinden", so Polizzi.

In der Masseria Torre Maizza in Apulien stammen alle der mehr als 350 dekorativen Maiolica-Wandteller sowie die Keramiklampen aus Grottaglie, einer Stadt ganz in der Nähe des Resorts.

Polizzis Gespür für Ästhetik und ihre Fähigkeit, Designs aus verschiedenen Epochen in Einklang zu bringen, wird durch ihre Liebe fürs Detail und ihr Streben nach Perfektionismus ergänzt - eine weitere Eigenschaft, die sie auf ihre Kindheit zurückführt. "Mein Vater war unglaublich fleißig, das habe ich von ihm gelernt", sagt sie. "Aber die Liebe zum Detail habe ich von meiner Mutter. Zu Weihnachten kamen manchmal 35 Gäste zum Essen. Meine Mutter und meine Tante standen schon Tage vorher in der Küche, um Ravioli für all diese Leute zu machen. Es dauerte ewig, denn es war das Rezept meiner Großmutter, also musste es perfekt sein.”

Wenn Polizzi die Einrichtung der von ihr entworfenen Hotels beschreibt, ist es, als würde sie über gute Freunde reden. Das gilt auch für das The Carlton, das neueste Haus von Rocco Forte Hotels, das noch in diesem Jahr in Mailand eröffnet wird: Mailand ist mondän und chic und das spiegelt sich auch im The Carlton wider. Das Hotel Savoy in Florenz hingegen ist die jüngere, etwas flippigere Schwester. Frecher - mit ausgefallenen Tapeten und Stoffen und hübschen Accessoires auf den Regalen. Das Hotel de Russie in Rom ist vom Gebäude und vom Stil her deutlich imposanter, man könnte sagen es ist die stilvolle ältere Schwester. Olga arbeitet zur Zeit auch an einem Konzept für das Rocco Forte House in Mailand, das wie sein Schwesterhotel an der Piazza di Spagna in Rom, aus großzügigen Serviced Apartments bestehen wird: Diese müssen sich von Hotelzimmern unterscheiden, da sie wochen-, wenn nicht gar monatelang am Stück genutzt werden sollen. Obwohl sie sich also optisch an einem Rocco Forte Hotel orientieren, müssen sie mehr Stauraum, eine funktionelle Küche und generell mehr Platz bieten.

Olga arbeitet außerdem an einer Reihe von Präsidentensuiten, wählt die passenden Bilder für diese Räumlichkeiten aus und sorgt dafür, dass alles genau so ist, wie es sein soll – rechtzeitig zur Hochsaison und den spannenden Neueröffnungen. „Das ist der andere Grund, warum es nicht dasselbe ist, wie das eigene Heim einzurichten", lacht sie. "Man hat einen Zeitplan einzuhalten, alle sind bereits in den Startlöchern und warten, die Zimmer sind schon ausgebucht; es darf nicht zu Verspätungen kommen, man darf nicht nachbessern - man ist stets in Eile.”

“Ein Hotelzimmer muss immer einladend sein", ist sie überzeugt. Sanftes Licht, gute Badezimmer mit Platz zum Abstellen der Kulturbeutel und großzügige Raumaufteilung. Komfort steht an erster Stelle.”

Und damit sind wir wieder bei dem, was Polizzi von ihrer Familie gelernt und verinnerlicht hat: Ein wunderschönes Design ist immer eine willkommene Ergänzung, aber Service und der Komfort der Gäste stehen an erster Stelle. Und das ist ein Ethos, den man entweder hat oder nicht hat. In dieser Branche muss man unglaublich serviceorientiert sein. "Mein Vater hat immer gesagt: 'Die besten Leute gehen ins Gastgewerbe'. Ich habe immer eine Augenbraue hochgezogen und mir gedacht: lass ihn reden. Aber ich habe über die Jahre gelernt, dass es stimmt. Menschen, die in dieser Branche arbeiten, haben gerne mit anderen Menschen zu tun, kümmern sich um sie, helfen ihnen und sorgen dafür, dass es ihren Gästen gut geht; sie sagen niemals Nein. Ich habe großes Glück, dass ich in diesem Gewerbe tätig bin, umgeben von den besten Leuten."

Genau dieses Wertesystem prägt alles, was Polizzi tut. Sie ist der Meinung, dass das Design nicht nur die Raffinesse und die Qualität des guten Geschmacks widerspiegeln muss, sondern auch echte Gastfreundschaft. Auch das hat sie von ihrer Familie gelernt. "Mein Vater hat die Menschen verstanden". Sie fasst das Erbe und den Auftrag zusammen -  Dinge zu kreieren, die gleichzeitig einzigartig schön und außerordentlich komfortabel sind. “Selbst jetzt, in meinem Alter, denke ich immer noch: ‘Ach, Papa hätte jetzt dieses oder jenes gesagt.’ Ich wünschte, ich hätte ihn um mehr Ratschläge gebeten."