Belgien entschuldigt sich nicht für seine Leidenschaften. In einem Land, das Braukunst, Architektur und Surrealismus zur nationalen Philosophie erhoben hat, ist Schokolade mehr als nur ein Produkt: Sie ist nicht nur Handwerk, sondern Kultur und so prägend für die Identität des Landes wie sein eigenwilliger Humor. Wer das versteht, versteht auch Brüssel.
Diese Stadt wusste schon immer, wie man Genuss zur Kunst erhebt. Im Sablon, wo Antiquitätenhändler und Chocolatiers seit Generationen Tür an Tür arbeiten, ist das Schaufenster von Chocolatiers so inszeniert wie das eines Juweliers: Reihen von Ganaches sind mit der Sorgfalt einer Museumssammlung arrangiert. Die nur 56 Schritte vom Hotel Amigo entfernt gelegene Grand-Place erstrahlt in goldener Opulenz. Und ganz in der Nähe, unter dem Glasgewölbe der Galeries Royales Saint-Hubert – Europas ältester Shopping-Arkade und bis heute eine der schönsten – wurde einst die Praline erfunden.
Im 17. Jahrhundert gelangte Schokolade über den Hafen von Antwerpen nach Belgien. Damals war sie ein kostbares Gut, das dem Adel vorbehalten blieb und an Höfen sowie in den vornehmsten Häusern der Stadt als Heißgetränk gereicht wurde. Zwei Jahrhunderte lang blieb sie ein Privileg der wenigen, bis die Industrialisierung und Belgiens wachsender Zugang zu Kakao sie einer ganzen Nation zugänglich machten. Es ist eine Geschichte von bemerkenswerter Präzision. 1912 erfand Jean Neuhaus Jr. die erste Praline: eine feine Schokoladenhülle mit einer weichen Füllung aus Creme oder Ganache. Für die perfekte Präsentation sorgte seine Frau Louise mit dem Ballotin, jener ikonischen Geschenkbox, die bis heute als die eleganteste Art gilt, belgische Schokolade zu überreichen.
Nur wenige Länder sind mit einer einzigen Zutat so eng verbunden wie Belgien mit Schokolade. Mehr als zweitausend Chocolatiers widmen sich heute im ganzen Land ihrem Handwerk und lassen sich dabei von Kunst, Architektur und einem typisch belgischen Sinn für Ästhetik leiten. Die Auswahl der Schokolade – dieses kleine, bewusste Ritual des Genießens – wird hier zu einer stillen Form des Wohlbefindens. Es sind kleine Momente der Freude, ein zart schmelzender Augenblick der Ruhe in einer Welt, die sich immer schneller dreht.
Auch die Wissenschaft ist sich längst einig. Der Chemiker Baron Justus von Liebig bezeichnete Schokolade bereits im 19. Jahrhundert als „so nahrhaft wie köstlich – ein wohltuender Wiederhersteller erschöpfter Kräfte“. Und seither liefert die Forschung immer neue Erkenntnisse. Dunkle Schokolade gilt als besonders wertvoll: Sie enthält mehr als dreihundert verschiedene Verbindungen, darunter Anandamid, benannt nach dem Sanskritwort für innere Glückseligkeit, sowie Theobromin, ein sanft wirkendes Stimulans, das ohne die Intensität von Koffein die Stimmung hebt. Besonders deutlich zeigen sich diese Vorteile bei Schokolade mit hohem Kakaoanteil und minimaler Verarbeitung – genau dem Qualitätsanspruch, dem Belgiens beste Chocolatiers seit jeher folgen.
Es ist also eine überaus willkommene Erkenntnis, dass die Suche nach außergewöhnlicher Schokolade und das Streben nach Wohlbefinden Hand in Hand gehen. Für Menschen in Brüssel ist dies eine ausgezeichnete Nachricht.
Kaum irgendwo wird dieser Qualitätsanspruch so kreativ interpretiert wie bei Bel’Oeuf – die vom Brüsseler Chocolatier Marc Ducobu ins Leben gerufen wurde. Sie bringt die besten Chocolatiers des Landes zusammen und lädt sie ein, ein gemeinsames Thema durch die besondere Handschrift ihres Handwerks zu interpretieren. Das diesjährige Motto lautet Freude in Bewegung. Ducobu ließ sich dabei vom Brüsseler Automobilmuseum AutoWorld und von der geschwungenen, organischen Architektur Victor Hortas inspirieren, dessen vier Stadthäuser in Brüssel zum UNESCO-Weltkulturerbe gehören. Dass sich ein Chocolatier von einem Meister des Jugendstils inspirieren lässt, erscheint in dieser Stadt fast selbstverständlich. Die Ergebnisse – skulptural, außergewöhnlich und voller Dynamik – sind vom 2. bis 8. April im Hotel Amigo zu sehen. Der Erlös jedes Kunstwerks kommt Télévie zugute und unterstützt damit wichtige Krebsforschung.
Belgische Schokolade hat schon immer ihr Publikum gefunden. Neu ist heute vor allem der selbstbewusste Umgang mit dieser Tradition und die Überzeugung, dass diese Handwerkskunst selbst schon eine Reise wert ist.
Entdecken Sie Brüssel durch sein beliebtestes Handwerk – mit Hotel Amigo.
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