Um den Barock zu verstehen, muss man seinen Anspruch begreifen. Und um ihn wirklich zu erleben, muss man nach Süditalien reisen. Diese im Zuge der Gegenreformation im frühen 17. Jahrhundert entstandene Stilrichtung vereint Dramatik, Detailreichtum und Licht im Dienst der Hingabe, denn es ist eine Ausdrucksform, die die Sinne ebenso anspricht wie den Geist.
Nirgendwo lässt sich diese Sprache eindrucksvoller nachvollziehen als hier: an den Fassaden, auf den Piazze und in den Interieurs ganzer Städte. Noto, Palermo und Puglia erzählen alle ihre ganz eigene Geschichte…
Noto – die Hauptstadt des Barock
Im Südosten Siziliens wirken die Straßen wie eine Bühne, die vom sanften Leuchten der mediterranen Sonne zum Leben erweckt wurde. Nachdem ein verheerendes Erdbeben im Jahr 1693 die Region in Trümmern hinterließ, nutzten Architekten die Chance für einen kreativen Neuanfang – und verliehen Noto eine kompromisslose, dramatische Formsprache.
In drei warmen Goldtönen erhebt sich die Kathedrale von Noto und empfängt Besucher mit einer weitläufigen Steintreppe, die sofort ein Gefühl von Inszenierung schafft. Im Inneren ist der Raum ruhig und kontemplativ: Sonnenlicht fällt durch die Kuppel und setzt die Heiligenfiguren in Szene, die die Kuppel schmücken.
Gegenüber zeigt sich mit dem Palazzo Ducezio, dem Rathaus, eine zurückhaltendere Facette: Arkadengänge spenden angenehme Abkühlung von der Hitze und laden dazu ein, Architektur mit allen Sinnen zu erleben – ganz im Sinne des Barock, der Körper und Geist gleichermaßen anspricht.
Mit dem Palazzo Castelluccio setzt sich diese barocke Entwicklung fort: 2027 eröffnet hier die dritte sizilianische Destination von Rocco Forte Hotels. Im Herzen von Noto wird der Palast aus dem 18. Jahrhundert mit größter Sorgfalt restauriert und in ein exklusives Boutiquehotel mit 31 Zimmern verwandelt – mit Originalfresken und kunstvollen Keramiken aus Caltagirone.
Barocke Pracht in Palermo
Viele der spektakulärsten Barockbauten Siziliens findet man in Palermo, wo der Stil eine besonders theatralische Ausprägung annimmt. Er entstand hier früher als in Noto und wurde von aristokratischer Schirmherrschaft sowie Jahrhunderten spanischer Herrschaft geprägt.
Unweit der Villa Igiea offenbart die Chiesa del Gesù ihre Wirkung Schritt für Schritt: Hinter einer schlichten Fassade verbirgt sich ein überwältigendes Interieur aus Marmor. Im Inneren legt sich weiches Licht wie ein Schimmer über filigrane religiöse Motive und mythische Darstellungen, die die Wände schmücken. Dieser Ort, der von den Idealen der Jesuiten im Zuge der Gegenreformation geprägt wurde, lädt zum Innehalten und zur geistigen Besinnung ein.
Weiter geht es zur Santa Caterina d’Alessandria, einer imposanten katholischen Kirche mit eindrucksvollen Ausblicken von der Dachterrasse über die Piazza Bellini. Oder tauchen Sie im Palazzo Mirto, der seit 1594 Sitz der Familie Filangeri ist, in das aristokratische Leben ein. Barocker Glanz zeigt sich hier in den Wohnräumen durch vergoldeten Stuck und Deckenfresken. Die Spiegelwände und prunkvollen Kronleuchter des Gebäudes spiegeln die Faszination dieses Stils für Licht und Reflexion wider.
Lecce in Apulien – die „Lady des Barock“
Lecce begeistert mit honigfarbenen Kirchen und opulenten Barockfassaden und trägt daher nicht umsonst den liebevollen Beinamen „Florenz des Südens“. Nur eine kurze Autofahrt von der Masseria Torre Maizza entfernt, entlang der malerischen Ferse Italiens, präsentiert sich die Stadt mit einem unverwechselbaren, lebendigen Stil: dem Lecceser Barock.
Ein Paradebeispiel dafür ist die Basilica di Santa Croce. Sie wurde 1695 fertiggestellt und beeindruckt mit ihrer filigranen Fassade aus dem warm schimmernden Kalkstein von Lecce. Mythologische Figuren, Putten und kunstvolle florale Ornamente erwecken das Bauwerk zum Leben – ein eindrucksvolles Zeugnis der Lebensfreude, die die Bildhauer jener Zeit in Stein verewigten.
Nicht weit entfernt zeigt die Piazza del Duomo den Barock von Lecce von seiner kontrolliertesten Seite. Man betritt den sorgfältig inszenierten Platz durch einen einzigen Zugang, auf dem der Dom bewusst schräg positioniert ist, damit seine kunstvollere Fassade eindrucksvoll in den Mittelpunkt rückt. Das Bauwerk, das im 17. Jahrhundert wiederaufgebaut wurde, vereint eine zurückhaltende Hauptfront mit einer reich verzierten Seite zum Platz hin, deren Säulen, Nischen und kunstvolle Verzierungen lebendige Akzente setzen.
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