„Ein Mann, der nicht in Italien war, ist sich stets einer gewissen Minderwertigkeit bewusst.“ So formulierte es der leicht neidische Samuel Johnson in den 1770er-Jahren, als Italien als großer Fiebertraum der europäischen Vorstellungskraft galt. Johnson selbst reiste nie dorthin, im Gegensatz zu seinem deutschen Zeitgenossen Johann Wolfgang von Goethe, der das Land ein Jahrzehnt später verließ und sich auf der Suche nach Kultur südwärts aufmachte. Seine Aufzeichnungen, die „Italienische Reise“, wurden zum prägenden Bericht der Grand Tour. Die Reise war auf Bildung ausgerichtet. Junge Aristokraten folgten seiner Reiseroute im Detail und kehrten verändert zurück – mit einem verfeinertem Geschmack, mit Auftragsgemälden im Gepäck und einem neu geschärften Blick auf die Welt um sie herum.
Die Grand Tour gibt es zwar so nicht mehr, dies hat aber auch seine Vorteile. Was einst ein jahrelanges Ritual war, ist heute für alle erreichbar, die neugierig genug sind, es zu wagen. Es gibt im Vergleich zu damals auch keine festgelegte Liste der Sehenswürdigkeiten mehr, sodass Reisende Goethes ursprünglichem Impuls folgen können: sich dort aufzuhalten, wo die Gegenwart geschrieben wird, ebenso wie dort, wo die Vergangenheit bewahrt wird. Unsere Reise durch Mailand, Florenz und Rom beginnt heute wie damals im Norden…
Mailand: Die erste Etappe
Mailand war auf der Grand Tour nach der Überquerung der Alpen der erste Eindruck von Italien und ist bis heute die zukunftsgewandteste Stadt des Landes. Die traditionellen Höhepunkte behalten allerdings auch ihre Anziehungskraft: Leonardo da Vincis „Das letzte Abendmahl“ in Santa Maria delle Grazie, die filigranen Marmorspitzen des Doms, die Rondanini-Pietà im Castello Sforzesco – das letzte Werk, das Michelangelo berührte. Ebenso lohnend sind die modernen Pilgerwege.
Südlich des Zentrums liegt die Fondazione Prada, Rem Koolhaas’ Kunstcampus, der sich in einer ehemaligen Gin-Destillerie befindet und zu ausgedehnten Nachmittagen zwischen zeitgenössischen Ausstellungen und den Spuren von Mailands industrieller Vergangenheit einlädt. Etwas weiter entfernt liegt der Pirelli HangarBicocca, eine umgebaute Lokomotivenfabrik, in der Anselm Kiefers „Seven Heavenly Palaces“ zu sehen sind – sieben geneigte Betontürme, inspiriert von kabbalistischer Mystik. Im Zentrum der Stadt pulsiert das Designviertel das ganze Jahr über und im April verwandelt der Salone del Mobile die gesamte Stadt in eine Bühne. In unmittelbarer Nähe liegt The Carlton im Quadrilatero della Moda, dem aus vier Straßen bestehenden Viertel der italienischen Mode, in dem Marken wie Prada, Armani und Versace ihre Kollektionen zeigen.
Florenz: Zeit zum Verweilen
Von Mailand aus setzt sich die Reise in Richtung Süden fort. Vorbei an Bologna und durch die Apenninen erreicht der Hochgeschwindigkeitszug die Toskana, eine Route, für die die Reisenden vergangener Jahrhunderte noch Wochen benötigten. Im Herzen von Florenz erwartet Sie das Hotel Savoy an der Piazza della Repubblica. Mit dem Duomo und der Ponte Vecchio als berühmte Nachbarn ist es der ideale Ausgangspunkt, um die Wiege der Renaissance zu entdecken.
Als erster längerer Halt auf der Grand Tour bot Florenz einst Zeit zum Verweilen, Lernen und Staunen, bevor die Reise ihren Höhepunkt in Rom erreichte. Die Tribuna der Uffizien, der achteckige Schatzraum der Medici, vermittelt noch heute jene besondere Atmosphäre, die bereits Goethe bei seinem Besuch im Jahr 1786 fasziniert haben dürfte. Wenige Räume weiter hängen die Meisterwerke Botticellis, die bis heute Besuchende aus aller Welt begeistern. Gleichzeitig präsentiert sich Florenz als kreative, zukunftsgerichtete Metropole. Im Palazzo Strozzi, einem Renaissancepalast nur wenige Gehminuten vom Hotel entfernt, wurden in den vergangenen Jahren Werke von Anish Kapoor und Jeff Koons unter den historischen Arkaden gezeigt. Jenseits des Arno steht die Manifattura Tabacchi exemplarisch für den Wandel der Stadt: Aus einer ehemaligen Tabakfabrik der 1930er-Jahre entstand ein weitläufiges Kreativquartier. Zwischen Kunstateliers und der Galerie VEDA kann man hier die moderne Seite von Florenz entdecken, die ebenso faszinierend ist wie ihre glanzvolle Vergangenheit.
„Ein Mann, der nicht in Italien war, ist sich stets einer gewissen Minderwertigkeit bewusst.“
Rom: Der krönende Abschluss
Nach einer etwa neunzigminütigen Fahrt durch die malerischen Hügellandschaften der Toskana und Umbriens erhebt sich die Kuppel des Petersdoms über dem Horizont – ein unvergesslicher Anblick und der krönende Abschluss der Reise. Vieles von dem, was die Reisenden der Grand Tour einst in die Ewige Stadt zog, ist bis heute erhalten: der Vatikan, das Forum Romanum und das Pantheon. Caravaggios Gemälde befinden sich nach wie vor in der Cappella Contarelli der Kirche San Luigi dei Francesi, für die sie geschaffen wurden. Ebenso beeindrucken Berninis Skulpturen in den Sälen der Galleria Borghese dort, wo sie einst erstmals ausgestellt wurden.
Hoch über der Spanischen Treppe empfängt das Hotel de la Ville seine Gäste in einem Palazzo aus dem 18. Jahrhundert. Nur wenige Häuser weiter lebte einst der Kupferstecher Piranesi, dessen berühmte Rom-Ansichten zu den begehrtesten Souvenirs der Grand Tour zählten. Das Viertel war ein bevorzugter Treffpunkt europäischer Aristokraten. Heute eröffnet die Dachterrasse der Cielo Bar einen ebenso spektakulären Blick über die Dächer Roms, die sie einst skizzierten.
Die moderne Stadt ist eng verknüpft mit dem Rom der Antike. Auf der anderen Seite des Tiber schlängelt sich Zaha Hadids MAXXI als erstes Museum für zeitgenössische Kunst der Stadt in weißen Betonlinien durch das Flaminio-Viertel und zeigt Werke von Richter, Kentridge und den italienischen Arte-Povera-Meistern. Nicht weit entfernt steht Renzo Pianos Auditorium Parco della Musica mit drei monumentalen Sälen in Skarabäusform, gedacht als riesige Klangkörper, eingefasst von einem 3.000 Plätze umfassenden Freiluft-Amphitheater. Die Überreste einer römischen Villa, die während der Bauarbeiten entdeckt wurden, sind im Komplex erhalten geblieben.
Der Gedanke hinter der Grand Tour war der Wunsch, sich durch das Gesehene verändern zu lassen. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Was moderne Reisende mit nach Hause nehmen, ist noch immer das, was einst einen ruhelosen Dichter über die Alpen führte: die tiefe Sehnsucht, dort gewesen zu sein, wo alles Kostbare seinen Ursprung hat.
Beginnen Sie Ihre eigene Grand Tour im Hotel Savoy in Florenz, Hotel de la Ville in Rom oder The Carlton in Mailand.
You may also like
Auf den Spuren barocker Opulenz in Süditalien
Um den Barock zu verstehen, muss man seinen Anspruch begreifen. Und um ihn wirklich zu erleben, muss man nach Süditalien reisen. Diese im Zuge der Gegenreformation im frühen 17. Jahrhundert entstandene Stilrichtung vereint Dramatik, Detailreichtum und Licht im Dienst der Hingabe, denn es ist eine Ausdrucksform, die die Sinne ebenso anspricht wie den Geist.
Auf der Suche nach verborgenen Schätzen: ein Guide für neugierige Reisende
Oft beginnen die besten Abenteuer mit einer einzigen Frage: Was passiert, wenn man einem neuen Impuls folgt? Einer Geschichte. Einem Aroma. Einem Farbspiel. Drei Städte erwarten Sie mit drei besonderen Erlebnissen – auf den literarischen Spuren eines Nobelpreisträgers in Mayfair, auf süßer Entdeckungsreise durch Brüssel und die zukunftsweisende Graffiti-Kunst im Untergrund von München. Unsere Hotels sind Ihr Ausgangspunkt. Was Sie entdecken, liegt ganz bei Ihnen.
Mailand in neuem Licht: Eine moderne Renaissance
Mailand tickt anders. Mit einer gewissen Gelassenheit gibt die Stadt ihren eigenen Rhythmus vor. Warum auch nicht? Wer das Ziel vor Augen hat, der kann sich ruhig etwas Zeit lassen. Mailand ist eine Stadt, die sich gezielt neu erfunden hat. Und in ihrem Herzen, dort, wo die Via della Spiga und die Via del Senato aufeinandertreffen, feiert das The Carlton seine ganz eigene Renaissance – eine, die von Stil, Qualität und Charakter geprägt ist.