Die Kunst des entschleunigten Reisens: Wie man im Urlaub wirklich abschaltet

„Wirklich erholt und gestärkt fühlen wir uns erst, wenn wir die Ruhe in uns selbst finden.“ 

Manche Reisen sind dafür gemacht, möglichst viel zu erleben. Bei anderen geht es genau um das Gegenteil. Nicht darum, einfach nur nichts zu tun oder möglichst viel zu schlafen, sondern um den selten gewordenen Luxus zu genießen, nichts erreichen zu müssen.

Früher fand diese Form der Erholung in den Pausen zwischen den Aktivitäten statt. Vielleicht bei einer wohlverdienten Siesta zwischen Museumsbesuchen und dem Abendessen. Heute ist oft genau diese Ruhe der eigentliche Anlass zu verreisen. Der wahre Grund, an einen außergewöhnlichen Ort zu reisen, und sich dort die kostbare Erlaubnis zu geben, einfach einmal nichts zu tun.

Und dennoch bleibt dieses Gefühl für viele von uns unerreichbar. Denn die Hektik des Alltags endet nicht automatisch, nur weil wir verreisen.

Genau diese Lücke – zwischen unserem gelebten Alltag und der Erholung, nach der wir uns tatsächlich sehnen – erforscht die Psychologin und Moderatorin Claudia Hammond seit vielen Jahren. Als Autorin von Overwhelmed: Ways to Take the Pressure Off und Die Kunst des Ausruhens hat sie es sich zur Lebensaufgabe gemacht, zu verstehen, warum echte Erholung uns so oft entgleitet – und was geschieht, wenn wir ihr endlich Raum geben.

Für ihre Forschung befragte sie 18.000 Menschen weltweit – mit einem überraschenden Ergebnis: Die Aktivitäten, die wir als besonders erholsam empfinden, sind nur selten passiv. „Wirklich erholsame Tätigkeiten fesseln uns. Sie können sogar anregend sein“, erklärt Hammond. „Sie schaffen Abstand von den Anforderungen des Alltags und sind etwas, das wir aus eigenem Antrieb tun – nicht, weil wir es müssen.“

Diese Erkenntnis verändert unseren Blick auf Erholung grundlegend. Erholung bedeutet laut Hammond nicht, möglichst wenig zu erleben, sondern das Richtige zu erleben. „Der Schlüssel zu guter Erholung ist, etwas zu tun, das uns Freude bereitet und unseren Geist zur Ruhe kommen lässt“, sagt sie. „Wenn Sie Erholung langweilig finden, haben Sie Ihre persönliche Form der Erholung vielleicht einfach noch nicht gefunden. Das kann ein zügiger Spaziergang oder das Einstudieren eines anspruchsvollen Klavierstücks sein. Es muss nicht in der Hängematte liegen sein.“

Hammond, Claudia
„Wirklich erholsame Tätigkeiten fesseln uns. Sie können sogar anregend sein“

Vielleicht finden Sie sie bei einer privaten Führung, die The Carlton für Sie organisiert: beim Bestaunen von Da Vincis Das letzte Abendmahl in Mailand, wo Sie die Geschichte und jedes Detail des weltberühmten Kunstwerks in aller Ruhe entdecken. Oder bei einem geführten Spaziergang durch das charmante Trastevere in Rom – nur wenige Schritte vom Hotel de Russie entfernt –, dessen verwinkelte Gassen den unverwechselbaren Charakter des Viertels erlebbar machen.

Hammond beschreibt sich selbst als jemanden, der nur schwer stillsitzen kann. „Ich gehöre zu den Menschen, die auch im Urlaub gerne aktiv sind“, erzählt sie. „Ein einziger Tag am Strand genügt mir vollkommen.“ Der entscheidende Wandel kam, als sie lernte, zwischen Aktivitäten zu unterscheiden, die ihr Energie rauben, und solchen, die ihr neue Kraft schenken. Ausschlaggebend ist nicht, was wir tun, sondern mit welcher Intensität wir uns darauf einlassen. 

In ihrem aktuellen Buch Overwhelmed bezeichnet Hammond diesen Zustand als „Flow“: einen Moment völliger Präsenz, in dem der Geist vollkommen beschäftigt und zugleich absolut entspannt ist. „Viele verbinden „Flow“ mit Kunst, Kreativität oder besonderen Erfolgserlebnissen“, erklärt sie. „Dabei kann auch echte Erholung „Flow“ sein – weil sie das unaufhörliche Gedankenkarussell in unserem Kopf verstummen lässt.“ 

Im Hotel Savoy in Florenz lässt sich dieser Zustand auf ganz unterschiedliche Weise erleben: etwa bei einem privaten Malworkshop mit dem Florentiner Künstler Mario Minarini – inspiriert vom Erbe Botticellis und Michelangelos. Oder beim Kreieren eines persönlichen Duftes mit Aquaflor, das die traditionsreiche Parfumkunst der Renaissance und der Medici neu aufleben lässt. Erlebnisse wie diese bringen Hände und Gedanken gleichermaßen in einen kreativen „Flow“. 

Hammond warnt jedoch davor, Erholung selbst zur nächsten Optimierungsaufgabe zu machen. „Ruhe sollte nicht zu einem weiteren Punkt auf der To-do-Liste oder zu einem Lifestyle-Ziel werden“, sagt sie. „Entspannung ist kein Wettbewerb und nichts, worin man ‚besser‘ sein muss als andere.“ Genau darin liegt die eigentliche Erkenntnis: Vielleicht ist gerade die Suche nach dem perfekten Erholungsurlaub Ausdruck jener inneren Unruhe, der wir eigentlich entkommen möchten.

Für Hammond beginnt echte Erholung im Kleinen. Ihre Forschung zeigt, wie wirkungsvoll sogenannte Mikro-Pausen sein können – ein kurzer Spaziergang oder ein bewusstes Innehalten. „Im Alltag gibt es oft mehr Freiräume, als wir glauben“, sagt sie. „Wir erkennen sie nur selten als Gelegenheit, wirklich abzuschalten.“ In der Masseria Torre Maizza in Apulien kann das ein Spaziergang durch duftende Kräutergärten sein, gekrönt von einem Aufguss aus den frisch geernteten Pflanzen. Im The Balmoral in Edinburgh lädt dagegen eine außergewöhnliche Begegnung zum Innehalten ein: Gemeinsam mit Marcas Mac an Tuairneir, einem der bedeutendsten gälischen Dichter Schottlands, entsteht ein persönliches Gedicht, das Ihren Aufenthalt auf besonders poetische Weise festhält. 

Für Hammond selbst beginnt Erholung mit einer einfachen Tätigkeit: „Für mich ist es die Gartenarbeit“, sagt sie. „Sie hilft mir, Stress abzubauen, den Kopf frei zu bekommen und sie macht mich zugleich kreativer und produktiver.“ Genau dieses Gefühl vermittelt auch das Verdura Resort, wo Gäste eine Stunde im Bio-Küchengarten verbringen, frische Zutaten ernten und später nur noch entscheiden müssen, welches Rezept daraus entstehen soll. „Ein gutes Leben zeichnet sich durch die richtige Balance aus: zwischen Arbeit und Spiel, zwischen Gemeinschaft und Rückzug. Wenn dieses Gleichgewicht stimmt“, fasst Hammond zusammen, „fühlt es sich an, als würde die Zeit langsamer vergehen.“ Eine wunderbare Definition für einen Urlaub, der wirklich nachwirkt.

Entdecken Sie mit Rocco Forte Hotels die Kunst des stilvollen Nichtstuns. 

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