Auf Kandinskys Spuren: Eine Reise zur Abstraktion

Wassily Kandinskys Weg zur Abstraktion war alles andere als geradlinig.

Seine künstlerische Vision wuchs aus Begegnungen: mit Musik, Theater und den avantgardistischen Strömungen seiner Zeit, mit den Landschaften Bayerns sowie mit Künstlern, Komponisten und Denkern, die er auf seinen Reisen durch Europa traf. Mehr als 25 Jahre nach der letzten großen Ausstellung in Rom kehrt sein Werk nun zum ersten Mal in die Ewige Stadt zurück. Ab dem 15. September präsentiert der Palazzo Bonaparte über 70 ausgewählte Werke, darunter Gemälde und persönliche Gegenstände aus den Sammlungen des Centre Pompidou, und zeichnet damit die faszinierende Entwicklung seines künstlerischen Weges nach.

Rom steht für kontinuierliche Veränderung und es gibt kaum einen passenderen Ort, um das Werk eines Künstlers zu entdecken, dessen Schaffen stets von der Suche nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten geprägt war. Eine besondere Perspektive eröffnet sich dabei im Hotel de Russie, das seit Jahrzehnten Künstler und Persönlichkeiten aus der Kulturwelt zusammenbringt. Bereits 1917 waren Picasso und Jean Cocteau hier zu Gast, während sie am ersten kubistischen Ballett arbeiteten. Heute ermöglicht die Partnerschaft des Hotels mit Arthemisia, dem Veranstalter der Kandinsky-Ausstellung, seinen Gästen einen exklusiven, privaten Zugang zu Meisterwerken, die Paris nur selten verlassen.

Kandinskys Name scheint untrennbar mit der abstrakten Kunst verbunden. Doch bezeichnet ihn der Titel „Vater der abstrakten Kunst“ wirklich treffend? Kuratorin Angela Lampe hat darauf eine klare und unmittelbare Antwort:

„Keineswegs.“

Lampe nähert sich Kandinsky aus einer anderen Perspektive. Nicht als einem Einzelgänger, der die Malerei plötzlich von der Gegenständlichkeit befreite, sondern als einem Künstler, dessen Schaffen in ein weitreichendes Netzwerk aus Ideen, Einflüssen und künstlerischen Strömungen eingebettet war. Als Kandinsky 1911 das Werk schuf, das heute als seine erste abstrakte Arbeit gilt, waren auch andere Künstler wie Piet Mondrian und Francis Picabia bereits auf einem ähnlichen Weg. Kandinskys besonderer Beitrag bestand darin, der Abstraktion ein schlüssiges theoretisches Fundament zu geben.

Worauf sollten wir also achten, wenn wir seinem Werk in Rom begegnen?

Vielleicht sollten wir zunächst einmal genau hinhören.

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Doch bezeichnet ihn der Titel „Vater der abstrakten Kunst“ wirklich treffend? Kuratorin Angela Lampe hat darauf eine klare und unmittelbare Antwort:„Keineswegs.“

Musik war für Kandinskys Verständnis von Kunst von zentraler Bedeutung. Er erlebte Synästhesie und verband Farben mit Klängen, sodass er die Malerei zunehmend in musikalischen Begriffen dachte. Eine Farbe konnte ihre eigene „Klangfarbe“ besitzen, Linien und Formen konnten einen Rhythmus erzeugen, und eine Komposition vermochte ganz ohne erkennbare Motive Gefühle auszulösen. Seine frühe Begeisterung für Wagner sollte dabei ebenso prägend sein wie spätere Begegnungen mit Musikern, allen voran dem modernistischen Komponisten Arnold Schönberg, die seine Vision einer neuen visuellen Ausdruckssprache beflügelten.

Für Lampe bildet „Gelb – Rot – Blau“ den „emotionalen Höhepunkt“ der Ausstellung. In Rom wird das monumentale Werk allein präsentiert, umgeben von historischen Fresken und begleitet von Musik. So entsteht eine außergewöhnlich immersive Begegnung mit dem Gemälde und Kandinskys Ideen von Farbe, Klang und Emotion treten unmittelbar in den Mittelpunkt.

Doch wer verstehen möchte, wie dieses Werk entstand, muss an den Ausgangspunkt seiner künstlerischen Entwicklung zurückkehren: nach München.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts zog Kandinsky in die bayerische Hauptstadt und fand sich inmitten einer lebendigen Szene aus Künstlern, Musikern und visionären Denkern wieder. Im Münchner Künstlerviertel Schwabing lernte er Gabriele Münter kennen, seine spätere langjährige Partnerin, sowie Franz Marc. Schon bald stand er im Zentrum eines Künstlerkreises, aus dem der Blaue Reiter hervorgehen sollte. Der gemeinsame Austausch lenkte die Malerei in neue Richtungen und ließ Kandinsky immer stärker nach einer Kunst jenseits der bloßen Darstellung der sichtbaren Welt suchen.

Heute beherbergt das Lenbachhaus die weltweit größte Sammlung von Kunst des Blauen Reiters – mit mehr als 2.000 Werken von über 30 Künstlerinnen und Künstlern. Ein bedeutender Teil der Kandinsky-Sammlung geht auf Gabriele Münter selbst zurück, die dem Museum 1957 mehr als 1.000 Werke stiftete. Für Gäste des The Charles Hotel eröffnet eine private Besichtigung die seltene Gelegenheit, diese Werke gemeinsam in der Stadt zu erleben, in der dieses entscheidende Kapitel seiner künstlerischen Entwicklung seinen Anfang nahm.

Das Lenbachhaus ist nur ein Beispiel für die außergewöhnliche Kunst- und Kulturvielfalt rund um das Hotel. In der Maxvorstadt gelegen und nur wenige Schritte vom Kunstareal entfernt, befindet es sich in unmittelbarer Nähe einer einzigartigen Dichte bedeutender Sammlungen: Alte Meister in der Alten Pinakothek, moderne und zeitgenössische Kunst in der Pinakothek der Moderne und im Museum Brandhorst sowie Deutschlands erstes Museum für Urban Art, das MUCA. Selbst das Viertel trägt den Namen eines Künstlers: Franz von Lenbachs ehemaliges Wohnhaus und Atelier sind heute Teil des Museumsareals. Werke des Malers finden sich zudem in der hoteleigenen Kunstsammlung.

München war ein prägendes Kapitel, doch es war erst der Anfang. In Rom folgt die Ausstellung Kandinskys künstlerischer Entwicklung durch die verschiedenen Phasen seines Schaffens: von den frühen Landschaftsbildern über die Entstehung der Abstraktion und seine Rückkehr nach Russland bis zu seiner Zeit am Bauhaus und den späten Jahren in Paris. Zugleich bringt sie Kandinsky gewissermaßen wieder mit Gabriele Münter zusammen, seiner ehemaligen Lebensgefährtin und Künstlerkollegin. Ihre Werke werden in Italien erstmals gemeinsam mit seinen präsentiert.

Nach Kandinskys Tod setzte sich seine zweite Ehefrau Nina Kandinsky mit großer Hingabe für die Bewahrung seines Werks ein. Sie kümmerte sich um sein Archiv und seinen Nachlass und leistete somit einen wichtigen Beitrag dazu, sein künstlerisches Vermächtnis für kommende Generationen zu erhalten.

Dieses Vermächtnis eröffnet uns die Möglichkeit, Kandinsky neu zu entdecken – den Menschen ebenso wie den Künstler. Für Lampe geht es in der Ausstellung darum, einen Raum zu schaffen, in dem seine Ideen nicht nur verstanden, sondern unmittelbar erlebt werden können. Besucherinnen und Besucher sollen spüren, „wie das Zusammenspiel von Linie, Farbe und bisweilen Musik eine innere Empfindung hervorrufen kann“, jene „Schwingung der Seele“, wie Kandinsky es selbst nannte.

Vom 15. September 2026 bis zum 14. Februar 2027 führt die Reise auf Kandinskys Spuren von Rom nach München. Erleben Sie die Ausstellung im Palazzo Bonaparte bei einem Privatbesuch und entdecken Sie anschließend im Lenbachhaus die Welt des Blauen Reiters. Setzen Sie Ihre Reise vom Hotel de Russie in Rom zum The Charles Hotel in München fort.

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