„Was wir unbedingt bewahren wollten, war die tiefe Verbundenheit des Hotels mit Florenz und seine Rolle als lebendiger Teil des städtischen Lebens“, erklärt Olga Polizzi und deutet auf die Piazza della Repubblica.
Seit mehr als einem Jahrhundert ist die Piazza della Repubblica der Vorplatz des Hotel Savoy – ein lebendiger Treffpunkt, an dem Florentiner zusammenkommen, bei einem Kaffee Neuigkeiten austauschen und sich im Laufe des Tages immer wieder begegnen. Lady Olga spricht über diesen Ort mit der Vertrautheit einer Nachbarin, die hier seit jeher zu Hause ist.
Unser Gespräch findet wenige Wochen nach der Fertigstellung der umfassenden, einjährigen Renovierung des Hotel Savoy statt, die in Zusammenarbeit mit dem Architekten Saimir Zhilli umgesetzt wurde. Jeder Raum wurde neu interpretiert, jedes Element bewusst ausgewählt. Leitgedanke des Projekts ist das Kilometer-Null-Konzept, also der bewusste Fokus auf Florenz – mit Aufträgen an lokale Handwerksbetriebe, Manufakturen und Institutionen, wo immer es möglich war.
„Die Zusammenarbeit mit lokalen Kunsthandwerksbetrieben ist unverzichtbar, wenn ein Hotel authentisch wirken soll“, erklärt sie. „Florenz ist in dieser Hinsicht außergewöhnlich. Die Dichte an handwerklichem Können und gelebter Tradition ist bemerkenswert – und es wäre eine verpasste Chance gewesen, dieses Potenzial nicht zu nutzen.“
Gleich hinter dem Eingang befindet sich neben der Rezeption eine Boutique von Santa Maria Novella. Das 1221 gegründete Florentiner Traditionshaus empfängt seit Jahrhunderten Besucher mit ikonischen Düften und botanischen Essenzen, die bis heute nur wenige Gehminuten vom Hotel entfernt hergestellt werden.
Es ist die erste von vielen Begegnungen mit dem florentinischen Handwerk. Hinter der Rezeption ziehen kunstvoll geschnitzte Holzreliefs zweier der letzten verbliebenen Meister ihres Fachs die Blicke auf sich. Lady Olga hält einen Moment inne und weist auf ihre außergewöhnliche Arbeit hin. „Leider gibt es selbst in Florenz nur noch wenige dieser großartigen Handwerksmeister“, sagt sie und erzählt von den Gesprächen mit Menschen, die Jahrzehnte damit verbracht haben, eine einzige Fertigkeit zu perfektionieren.
„Was wir unbedingt bewahren wollten, war die tiefe Verbundenheit des Hotels mit Florenz und seine Rolle als lebendiger Teil des städtischen Lebens“
Im Obergeschoss eröffnet die Duomo Presidential Suite einen unmittelbaren Blick auf Brunelleschis weltberühmte Kuppel. Es ist ein Panorama, das zum Verweilen einlädt. Gleichzeitig lohnt sich aber auch der Blick ins Innere. Bronzetische und vergoldete Spiegel stammen aus der Florentiner Metallmanufaktur Il Bronzetto, die seit 1963 für außergewöhnliche Handwerkskunst steht. Maßgefertigte Regale von Castorina beherbergen eine sorgfältig kuratierte Bibliothek, darunter Lady Olgas charakteristische Sammlung der Romane von P. G. Wodehouse, die in jedem von ihr gestalteten Hotel ihren festen Platz findet. Ausgewählte Antiquitäten des Florentiner Hauses Barthel ergänzen zeitgenössische Designobjekte zu einem harmonischen Ganzen. Im Badezimmer verleiht weißer Carrara-Marmor den Räumen zeitlose Eleganz – derselbe Stein, den einst Michelangelo für seine Skulpturen auswählte.
Von der Handwerkskunst führt das Gespräch zu einem weiteren zentralen Aspekt der Neugestaltung: dem Wohnkomfort. „Ein großzügiges Raumgefühl ist entscheidend“, sagt Lady Olga. „Hotelzimmer sind heute weit mehr als ein Ort zum Schlafen. Sie sind Rückzugsorte, in denen Gäste arbeiten, entspannen oder Zeit mit Familie und Freunden verbringen.“
Dieser Gedanke prägt die Neugestaltung bis ins Detail. Neu konzipierte Suiten mit mehr miteinander verbundenen Zimmern schaffen zusätzlichen Raum für Familien und gemeinsam Reisende. „Wir haben uns intensiv damit beschäftigt, wie sich unsere Gäste durch die Räume bewegen und sie nutzen. Die Zimmer sollten sich unterschiedlichen Lebens- und Reisegewohnheiten anpassen. Großzügige Grundrisse, durchdachte Stauraumlösungen, stimmungsvolles Licht und die harmonische Verbindung von Funktionalität und Eleganz spielen dabei eine zentrale Rolle.“
Funktionalität bedeutet jedoch niemals Verzicht auf Persönlichkeit. „Gäste suchen zunehmend Räume, die individuell wirken und nicht austauschbar sind“, ergänzt sie. „Wir versuchen, mit einem verspielten Kunstwerk oder einem außergewöhnlichen Objekt kleine Momente der Freude zu schaffen – etwas, das ihnen auch nach ihrer Abreise in Erinnerung bleibt.“
Zurück im Erdgeschoss führt unser Weg in die Bar Artemisia, wo sich der Raum füllt, während der Nachmittag langsam in den Abend übergeht. Hinter einer eleganten Marmorbar bereiten die Mixologen raffinierte Cocktails zu, während Gäste auf samtbezogenen Sitzbänken Platz nehmen. Man kann sich gut vorstellen, dass dieser Ort schon bald zu einer der begehrtesten abendlichen Adressen der Stadt wird.
Die nach der visionären Barockkünstlerin Artemisia Gentileschi benannte Bar orientiert sich in ihrer Gestaltung an deren Zeitgenossen Caravaggio. Ein maßgefertigtes Wandgemälde von Adam Ellis umgibt den Barbereich und interpretiert das Motiv des Bacchus neu. Auf den ersten Blick wirkt die Szene vollkommen der Epoche entsprechend. Dann lenkt Lady Olga den Blick jedoch auf einige überraschende Details: eine Figur mit einem Smartphone in der Hand, eine andere mit einem Kaffeebecher zum Mitnehmen. Sie erklärt, dass diese bewussten Brüche dem Werk einen „spielerischen Charakter“ verleihen.
Von der Bar Artemisia sind es nur wenige Schritte bis zur eleganten Trattoria des Hotels, Irene. Das Restaurant ist nach Lady Olgas Mutter, Lady Irene Forte, benannt und würdigt jene Frau, deren Großzügigkeit und Leidenschaft für das Bewirten von Gästen die Hotellerie-Tradition der Familie entscheidend geprägt haben. Ihr Einfluss ist auch in der Gestaltung des Raumes spürbar.
Sie deutet auf den Marmorboden unter unseren Füßen, dessen kunstvolles Muster von den historischen Osterien inspiriert wurde, die einst die Piazza säumten. „Wir wollten ein Element schaffen, das auch die Aufmerksamkeit der Menschen auf der Straße weckt. Es ist ein sehr florentinisches Detail“, sagt sie.
In der Nähe erzählt der Frühstückstisch seine ganz eigene Geschichte. Er wurde von den Kunsthandwerksleuten von San Patrignano gefertigt – einer Gemeinschaft, die Menschen auf ihrem Weg aus der Drogenabhängigkeit unterstützt und ihnen traditionelle Handwerkskünste vermittelt – und trägt ein vergoldetes Blattmotiv, in das die berühmte Lilie von Florenz eingearbeitet ist. Es ist ein fast verborgenes Detail des Raumes und zugleich vielleicht eines der bedeutungsvollsten.
Während Lady Olga auf der Terrasse des Irene den Blick über die Piazza della Repubblica schweifen lässt, scheint ihre Vision greifbar geworden zu sein. Jeder Raum eröffnet eine neue Facette von Florenz – seine Meister, seine Institutionen und seine über Jahrhunderte gewachsenen Traditionen – und ist behutsam mit der Identität des Hotels verwoben.
Bei der Neugestaltung war es Lady Olga wichtig, „ein Gefühl dafür zu schaffen, dass dieses Hotel ganz und gar zu Florenz gehört“. Wer hier Zeit verbringt, kann sich kaum vorstellen, dass es irgendwo anders zu Hause sein könnte.
Entdecken Sie das Hotel Savoy und erleben Sie Florenz durch die Menschen, das Handwerk und die Geschichten, die diese außergewöhnliche Stadt so besonders machen.
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