Die Seele einer Stadt, von Hand geschaffen

Die Seele eines Reiseziels – jenes besondere Etwas, das Reisende auf der ganzen Welt entdecken möchten – liegt in der Seele seiner Menschen. Die zeitlose Menschlichkeit eines Ortes, geprägt von regionalen Besonderheiten, einzigartigen Landschaften und klimatischen Gegebenheiten.

Die Seele eines Ortes lässt sich natürlich nicht in Flaschen abfüllen. Doch sie kann Gestalt annehmen. Nicht unbedingt in den legendären 21 Gramm, sondern im Handwerk: in Kreationen, die aus regionalen Materialien, historischen Notwendigkeiten, äußeren Einflüssen und überlieferten Fertigkeiten entstehen.

Wer auf Reisen bewusst Handwerk erwirbt, nimmt nicht nur ein schönes Objekt mit nach Hause, sondern ein Souvenir mit Seele. Ob handgewebt in Brüssel, kunstvoll gefertigt in Florenz, gegossen in München oder in den traditionsreichen Werkstätten Londons entdeckt – diese Stücke erzählen von den Menschen und Orten, die sie hervorgebracht haben.

Spitze und Legenden in Brüssel

Von Kerzenflammen bis zu Schmetterlingen beschwört die Seele Bilder von Leichtigkeit und Zartheit herauf. Kein Wunder also, dass ausgerechnet Brüssels berühmtestes Kunsthandwerk für seine außergewöhnliche Zartheit bekannt ist: die feine Spitze, die in der Stadt seit dem späten 17. Jahrhundert gefertigt wird. Ihre filigrane Struktur erzählt von einer Zeit, in der die Menschen vor Ort auf ein begehrtes Produkt angewiesen waren, um nach Missernten ihr Einkommen zu sichern. Begehrt war die Spitze zweifellos: An den europäischen Königshöfen galt sie als Zeichen von gutem Geschmack und gesellschaftlichem Rang. Die fast schwerelose Haptik verdankt die Brüsseler Spitze dem flämischen Flachs, der in feuchten Kellern gesponnen wurde, um seine Qualität zu bewahren. Fast wie ein kunstvoll gewobenes Spinnennetz. Ein weiteres Merkmal ist die Art ihrer Herstellung: Statt ein ganzes Stück auf einmal zu fertigen, stellten die Brüsseler Klöpplerinnen einzelne Motive her, die anschließend zu einem einzigen, exquisiten Werk zusammengefügt wurden. Wer ein Stück Brüsseler Spitze als Andenken mit nach Hause nehmen möchte, findet beispielsweise fein verzierte Taschentücher oder Fächer bei der traditionsreichen Boutique La Manufacture Belge de Dentelles in den Galeries Royales Saint-Hubert, nur fünf Gehminuten vom Hotel Amigo entfernt.

Exil und Pioniergeist in London

Die Handwerkskunst steht nie still und verändert sich ständig. Eines der prägenden Kunsthandwerke Londons erzählt vielmehr von einer Stadt, die seit jeher von unaufhörlicher Bewegung und dem Kommen und Gehen ihrer Bewohner geprägt ist. Ohne die lange Tradition der Offenheit gegenüber Fremden hätten protestantische Hugenotten nach ihrer Vertreibung aus Frankreich Ende des 17. Jahrhunderts vielleicht nie ihren Weg in die englische Hauptstadt gefunden. In Clerkenwell brachten sie ihr Können als Drucker, Uhrmacher, Graveure und Emailleure ein und verliehen dem Viertel eine handwerkliche Energie, die bis heute spürbar ist. Besuchen Sie das Viertel im Mai zur Design Week und lassen Sie sich von der neu gewonnenen Kreativität inspirieren. Entdecken Sie bei Stuart R. Stevenson an der Clerkenwell Road einen exquisiten Füllfederhalter oder edles Schreibpapier oder eine besondere Uhr bei der benachbarten Antique Watch Company. Vom Brown’s Hotel aus wird der Weg nach Clerkenwell selbst zum kreativen Erlebnis. Schlendern Sie durch die Stadt und entdecken Sie unterwegs einige von Londons großen Tempeln des guten Geschmacks – von der Royal Academy of Arts bis zum Sir John Soane's Museum.

Bierkrüge und Geschichten in München

Ein Aufenthalt in München wäre kaum vollständig ohne ein Helles oder Weißbier. Und wer beim Anstoßen genauer hinsieht, entdeckt vielleicht, dass der Bierkrug weit mehr ist als ein Trinkgefäß: kunstvoll verziert, aus Zinn, Stein oder Keramik gefertigt und oft mit einem charakteristischen Klappdeckel versehen. Was einst dazu diente, das Bier kühl zu halten und es vor Staub und Insekten zu schützen, ist heute ein echtes Stück bayerischer Handwerkskultur. Bierkrüge werden von Hand bemalt, aufwendig graviert und über Generationen weitervererbt. Vom The Charles Hotel aus lohnt sich die Suche nach einem authentischen Exemplar bei Glaskunst Huber. Das vom Ehepaar Friedrich und Ingrid Huber geführte Familienunternehmen bewahrt die traditionelle Handwerkskunst mit großer Hingabe, was in jedem von Hand bemalten Stück sichtbar ist.

Zünfte und Mönche in Florenz

Florenz mag vor allem für seine außergewöhnliche Kunst bekannt sein, doch eines seiner bedeutendsten Handwerke entstand aus einem einst wenig angesehenen Beruf: der Gerberei. Da der aufwendige und geruchsintensive Prozess viel Wasser erforderte, befand sich die mittelalterliche Gerberzunft Arte dei Cuoiai e Galigai direkt am Arno. Auch die Klöster trugen zum florentinischen Lederhandwerk bei. Diese Tradition lebt bis heute in der Scuola del Cuoio fort, die von Franziskanermönchen gegründet wurde. Wer möchte, kann hier in einem Workshop selbst ein Portemonnaie fertigen. Für ein Souvenir, das von dieser langen Tradition erzählt, führt der Weg vom Hotel Savoy über die Ponte Vecchio oder die Ponte Santa Trinita auf die andere Seite des Arno. Dort befindet sich Giulio Giannini e Figlio, wo seit 1856 handgebundene Bücher entstehen.

Die schönsten Souvenirs sind allerdings die Geschichten, die man mit nach Hause nimmt. Entdecken Sie Brüssel, London, München und Florenz durch die Menschen, das Handwerk und die Viertel, die jedem dieser Reiseziele seinen einzigartigen Charakter verleihen.

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